Unser Freund Edgar Bannas ist von uns gegangen. Nach einem langen und unglaublich intensiven Leben ist Edgar von uns gegangen. Die Krankheit in der Schlussphase seines Lebens hat ihn doch sehr geprägt, aber sein Willen mit Freude und Intensität mit diesem Leben umzugehen, wurde dadurch nie gebrochen.
Edgar ist mir bekannt und vertraut, mindestens seit 1970. Damals zog meine Mutter mit mir als 14-Jährigen nach Nordeck in Hessen. Meine Mutter wurde auf dem Landschulheim Burg Nordeck Hauswirtschaftsleiterin und dort war auch gerade sehr neu in seine Aufgabe eingestellt worden, der Junglehrer Edgar Bannas.
Für mich war das eine neugierige Zeit, und jemanden so Interessanten wie Edgar kennenzulernen, war Anlass für viele Gespräche. Der in Schlesien geborene und dann in der DDR aufgewachsene Edgar, der sich mit Neugier auf dieses Leben eingelassen und die Herausforderung auf dem Internat angenommen hat, war schon ein umtriebiger junger Lehrer. Und ehrlich gesagt, das war auch eine notwendige, frische Kraft, die dort in das Internat kam. In der Gliederung des Internats wohnten alle in Familien und in der Bannas-Familie, im Unterhaus, war immer richtig was los. Für mich als jungen Menschen, der ich täglich nach Gießen gefahren bin, um bei Karstadt meine Ausbildung zu machen, war es immer ein Genuss an den Wochenenden oder auch in den Ferien mit Edgar zusammen ins Gespräch zu kommen.
Wir haben uns eine ganze Zeit aus den Augen verloren und in der Tat mit seinem Ableben geht auch der letzte Punkt, der mich mit meiner Mutter verbunden hat. Der Mensch, der noch als Kollege mit meiner Mutter aktiv im Leben gestanden hat, verlässt nun diese Welt. Alle älteren Arbeitskollegen meiner Mutter leben ja, so wie meine Mutter, schon lange nicht mehr.
Deswegen war es spannend, Edgar in Marburg wiederzutreffen und zu erleben, wie mein Lebensweg sich von Nordeck nach Marburg verlagert hat, von Marburg nach Thüringen über die Städtepartnerschaft. Und auf einmal erzählt mir Edgar etwas, was mir so nicht vertraut war. Seine Kindheit hat er im wunderschönen Mühltal in Thüringen verlebt, in Weißenborn. Und bis heute fragen mich Menschen aus Weißenborn nach Edgar und haben sich erst vor einiger Zeit wieder nach ihm erkundigt. Für mich war das Mühltal eine wunderschöne Erkenntnis zu erleben, dass diese Mühlen in diesem Tal sich wirklich wie auf einer Perlenkette aneinanderreihen. Und als ich das nächste Mal nach so einer Wanderung durchs Mühltal Edgar traf, waren wir intensiv am Reden, auch über den stärksten Mann der Welt, über die Mühle von Milo Barus, ein Aushängeschild für diese Region.
Wenn man über die Autobahn zwischen München und Berlin fährt oder von Jena in Richtung Gera, dann kommt man am Hermsdorfer Kreuz direkt dort in diesem wunderschönen Waldgebiet heraus. Der Landkreis heißt ja nicht ohne Grund Saale-Holzland-Kreis und, Weißenborn ist geprägt durch die Menschen, die mit Holz arbeiten. Bis heute gibt es aus der Region kommend die wunderbaren Holzleitern, die etwas sehr Besonderes sind. Man kann es überall sehen, spüren und fühlen, dass es dort eine besondere Verbindung zu der Materie Holz gibt. Und genau darüber war ich mit Edgar immer wieder im Gespräch, denn auch er ist aus einem sehr speziellen Holz geformt gewesen.
Was mich aber bis heute tief beeindruckt, ist seine Fähigkeit, mit jungen Menschen zu arbeiten. Er war Lehrer aus Leidenschaft und Passion. Und diese Passion hat ihn nicht verlassen, auch nicht als er aus dem aktiven Schuldienst ausgeschieden ist und sich in die wohlverdiente Rente begeben hat, war er im Unruhestand. Als geflüchtete junge Leute Hilfe brauchten, war er auf einmal in Marburg da und kümmerte sich. Er war derjenige, der ihnen Deutsch beigebracht und sie eben auch als Lebensunterstützer begleitet hat. Jungen Menschen, die entwurzelt und völlig aus ihrer Welt gefallen bei uns gestrandet sind, war Edgar ein Ansprechpartner. Man kann sagen, ein Leuchtturm im Leben für andere Menschen.
Deshalb will ich mich an dieser Stelle einfach tief verneigen vor dem Lebenswerk von Edgar Bannas und sage: Möge dir die Erde leicht sein auf deinem letzten Weg, lieber Edgar.
In Memoriam. Ich denke an dich und grüße dich noch einmal ganz herzlich.
Bodo Ramelow.